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Von Sozialenzykliken und der österreichischen Art des Schimpfens

DI Johannes Collini über die Energie für Kollektivvertragsverhandlungen.  

Als Arbeitgebervertreter erlebt man im Verhandlungszeitraum viele Diffamierungen, die in den betrieblichen und privaten Bereich hinein wirken. Woher kommt trotzdem die Energie Kollektivvertragsverhandlungen zu führen.

Einerseits helfen die Ideen aus den Sozialenzykliken der katholischen Kirche. Mit der Enzyklika „rerum novarum“ setzte Papst Leo XIII. 1891 Maßstäbe für das Handeln von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Anstatt der sturen Orientierung der Arbeitnehmer an den Sozialismus und der Arbeitnehmer an den Liberalismus und den damit verbundenen Klassenkampf tritt nach der Sozialenzyklika zur Vermeidung von sozialen Verwerfungen die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitsnehmern. Mit dem Privateigentum an Unternehmen ist gleichzeitig die Sozialverpflichtung der Unternehmer verbunden. Auf kollektive Ebene wird der allgemeine Schutz für Arbeitnehmer und die Bezahlung von gerechten Löhnen gehoben. 

Andererseits gibt es auf Seite der Gewerkschaft Persönlichkeiten, mit denen arbeitsrechtliche Lösungen entwickelt werden können. Experten, die gestandene Sozialdemokraten sind, dabei jedoch anerkennen, dass tüchtige Unternehmer und Unternehmen auch Rahmenbedingungen vorfinden müssen, die langfristig eine konkurrenzfähige Produktion in Österreich für die Weltmärkte ermöglichen. 

Legitimierte Verhandlungspartner
Damit eine Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern funktioniert, braucht es starke und legitimierte Verhandlungspartner. Die Arbeitgeber haben deshalb ein Interesse an mitgliederstarken Gewerkschaften. Und wenn wir das im marktwirtschaftlichen Denken betrachten, dann müssen wir der Gewerkschaft auch eine Chance geben, ihren Mehrwert den zahlenden und potentiellen Mitgliedern zu präsentieren. Wir sehen alle noch viele Maßnahmen die notwendig sind, um Österreich zu einem exzellenten Wirtschaftsstandort zu entwickeln. Was dabei auf jeden Fall erhalten bleiben muss, ist die ausgeprägte Sicherheit und der soziale Frieden, gepaart mit einem hohen Lebensstandard für alle.

Die österreichische Art, über die Öffentlichkeit ein bisschen auf die Gegenseite zu schimpfen und trotzdem für eine Einigung immer eine gute, persönliche Gesprächskultur zwischen den Verhandlungsspitzen zu pflegen, hat unser Land zu einem der lebenswertesten Flecken auf der Erde gemacht. Viele haben Ideen, wie es für das Land besser gemacht werden könnte. Die Fachorganisationen der Wirtschaftskammer freuen sich über jede Persönlichkeit, die sich mit entsprechendem Zeitbudget einbringen kann. 



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