LH Markus Wallner: "Vorarlberg sollte sich weiter als Land mit der besten Ausbildung profilieren"

Landeshauptmann Markus Wallner über die Leistungen der Vorarlberger Exportwirtschaft, die Fachkräftesitutation und die Verfügbarkeit von Grund und Boden.

Herr Landeshauptmann, im ersten Halbjahr 2018 haben die Vorarlberger Betriebe Waren im Wert von ca. 5,2 Mrd. Euro exportiert. Zufrieden mit dem Ergebnis? 
Die Halbjahresbilanz deutet darauf hin, dass wir in diesem Jahr erneut die 10 Milliarden Schallmauer an Exporten durchbrechen können. Auf so ein Ergebnis kann man wirklich stolz sein! Wenn man bedenkt, dass Wien mit seinen knapp 1,9 Millionen Einwohnern im gleichen Zeitraum Waren im Wert von 9,6 Milliarden euro exportiert hat, ist das schon ein sehr beachtliches Ergebnis. 

Welchen Anteil an diesem Erfolg hat die Politik, welchen die Wirtschaft? 

In erster Linie ist das ein Verdienst zigtausender Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer - im Moment sind das 169.000 Menschen – und sehr cleverer Familienbetrieben, die bereit sind ein Risiko einzugehen. Das zusammen macht hohes Wachstum möglich. Und natürlich auch der Landes- und der Gemeindepolitik, auch der Sozialpartner, die sich anstrengen, die Wirtschaft positiv zu begleiten. Das Besondere in Vorarlberg ist das Zusammenspiel dieser Partner, die alle an einem Strang ziehen. Das ist eine echte Standortpartnerschaft. 

Wie zufrieden sind sie insgesamt mit der wirtschaftlichen Entwicklung Vorarlbergs in den letzten Jahren? 
Vorarlbergs Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren zweifellos sehr gut entwickelt. Zwischen 2008 und 2016 lag das Wachstum unserer Wirtschaft gegenüber der österreichischen mit 27,1 Prozent um über ein Viertel höher. In den vergangenen fünf Jahren war das Entwicklungstempo in Vorarlberg dann sogar um ein ganzes Drittel höher als jenes in Österreich. Auch der kürzlich von der OECD veröffentlichte Bericht „Regions and Cities at a Glance 2018“ ist für Vorarlberg sehr erfreulich. Beim Anstieg der Produktivität der Bundesländer von 2000 bis 2016 liegt Vorarlberg nicht nur deutlich über dem Österreichschnitt, sondern verzeichnet auch den höchsten Zuwachs. 

Wobei man hier erwähnen muss, dass die Vorarlberger Wirtschaft grundsätzlich ja sehr nachhaltig wächst... 
Ja, denn richtig ist, dass der erfolg der Vorarlberger Wirtschaft weniger auf der Verarbeitung von natürlichen Rohstoffen, als auf innovativer Leistung basiert. Das zeigt sich auch ganz klar beim CO2-Verbrauch. Angesichts der Steigerung des Produktionsindexes um 37,5 Prozent zwischen 2005 und 2015 hätte unserer Industrie eine Zunahme des Energieverbrauchs um 15 Prozent zugestanden. Im gleichen Zeitraum betrug die Erhöhung aber nur fünf Prozent. Das bedeutet, dass unsere Wirtschaft sehr umweltverträglich wächst. 

Bei all den Erfolgsmeldungen: Wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Es gibt mehrere Themen, die wichtig sind. Ein erstes: die Fachkräftesituation. Vorarlberg sollte sich weiter als das Land mit der besten Ausbildung profilieren – das muss ein ganz klares Ziel sein. Wir reden viel über eine Marke Vorarlberg – ich glaube, wir haben mit der Ausbildung einen ganz starken Markenkern. Die besten Fachkräfte, auch die mit der höchsten Motivation, gibt es hierzulande. Das sollten wir weiter vorantreiben: Lehrlingsausbildung weiter unterstützen, in Berufsschulen investieren, die Fachhochschule ausbauen und die Anzahl der technischen Absolventen steigern, in die Bildung generell weiter investieren, schauen, dass kein Kind zurückbleibt, und die Weiterbildung stärker in den Fokus rücken. Die Weiterbildungsinstitute der Sozialpartner sind dabei ganz wichtig. 

Verfügbarkeit von Grund und Boden ist ein entscheidendes Thema für die Wirtschaft. Können Betriebe in Vorarlberg überhaupt noch in den Standort investieren? 

Das Thema Grund und Boden ist derzeit natürlich heiß diskutiert in Vorarlberg und wir bewegen uns hier in einem nicht ganz einfachen Spannungsfeld zwischen begrenztem Siedlungsraum, der Mobilisierung von Boden und dem Schutz von Eigentum. Um hier etwas Druck rauszunehmen, haben wir nach langer Vorbereitungszeit eine neue Raumplanungs- und Grundverkehrsnovelle im Landtag beschlossen. Ich glaube, damit wurde ein erster wichtiger Schritt gesetzt. Mir ist es in diesem Zusammenhang aber wichtig zu betonen, dass wir keine aggressive Ansiedelungspolitik von außen betreiben. Unser Ziel ist es – und das muss es auch in Zukunft bleiben – dass wir eine gute Balance zwischen Umwelt und Wirtschaft schaffen. Das bedeutet aber auch ganz klar, dass wir unseren heimischen Familienbetrieben eine Möglichkeit geben müssen, auch in Zukunft weiterhin am Standort investieren zu können. Denn nur so werden wir unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten.

Danke für das Gespräch! 



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