Von der internationalen Leistungsfähigkeit der Vorarlberger Industrie

Die Industrie ist nach wie vor zentraler Pfeiler der wirtschaftlichen Leistung Vorarlbergs, was sich an der Produktions-, Wertschöpfungs- oder Exportleistung, der Kapitalkraft, dem Innovationsvermögen, der Ausbildungskapazität und vielen anderen Kernelementen der Volkswirtschaft belegen lässt. 

Die Wirtschafts-Standort Vorarlberg GmbH nennt Vorarlberg Exportchampion. Durch die besondere Lage Vorarlbergs und die Grenzen zu drei anderen Ländern sind die ansässigen Unternehmen Meister in Internationalisierung und Export. Gemessen an der Exportquote pro Einwohner überragt Vorarlberg sogar wirtschaftsstarke Regionen wie Baden-Württemberg und Bayern. Und selbst mit einem in unseren Breiten bekannten eidgenössischen Kanton muss der Vergleich nicht gescheut werden, wobei die Werte verblüffen: Die Exporte aus dem Kanton St. Gallen und die aus Vorarlberg beliefen sich im Vorjahr jeweils auf rund 10 Milliarden Euro. 
Der Vergleich mit dem Schweizer Kanton macht sicher. Und den österreichweiten Vergleich muss Vorarlberg sowieso nicht scheuen: Vorarlberg hat, im Gegensatz zu Gesamtösterreich, eine positive Handelsbilanz und ist insgesamt das Bundesland mit der stärksten Exportorientierung. Der Exportwert pro Einwohner liegt in Vorarlberg deutlich über, der Importwert aber klar unter dem gesamtösterreichischen Durchschnittswert. Die Zahlen und Vergleiche belegen deutlich die Bedeutung des Wirtschaftsstandortes Vorarlberg, sie sind auch starker Ausdruck der internationalen Leistungsfähigkeit der heimischen Wirtschaft und damit der Industrie. Rund 60 Prozent der in Vorarlberg produzierten Waren werden ins Ausland verkauft. 70 Prozent der heimischen Exporte kommen von der Vorarlberger Industrie. 
Vorarlbergs Wirtschaft musste sich, um ab einer gewissen Größe überhaupt erfolgreich wirtschaften zu können, früh schon über die nationalen Grenzen hinaus entwickeln. Gerhard E. Blum, der Blum Konzernchef: „Bei uns waren die Grenzen immer offen. Daraus hat sich ein ge- wisser Spaß am Exportieren entwickelt, aber auch eine gewisse Notwendigkeit, den Schritt ins Ausland zu gehen – denn der Heimmarkt war in vielen Fällen einfach zu klein.“ 

Die Textilindustrie war die Leitindustrie Vorarlbergs
Die Textilindustrie war die Leitindustrie bis in die 1970er Jahre, 70 Prozent der Gesamtwertschöpfung wurden damals durch Textilien und Bekleidung erwirtschaftet. Unter dem Einfluss eines massiven Globalisierungsschubs setzte ein beachtlicher Strukturwandel ein. Heutzutage beträgt der Anteil der Textilindustrie an der Gesamtwertschöpfung acht Prozent, Vorarlberg gilt damit immer noch als das viertgrößte Stickereigebiet der Welt. Eine Vielzahl an Unternehmen nutzen die langjährige Erfahrung und Kompetenz zur Herstellung von Hightech-Textilien und -Bekleidung. 

Weltweit erfolgreich 
Zwei Milliarden Menschen werden heute täglich von Rollen bewegt, die von faigle gefertigt werden. Omicron electronics exportiert in mehr als 140 Länder weltweit. Die Doppelmayr/Garaventa-Gruppe, Weltmarktführer im Seilbahnbau, hat bis heute über 14.500 Seilbahnsysteme in 89 Staaten realisiert. Alpla, das Harder Familienunternehmen, sagt von sich, dass „jeder Mensch mindestens einmal täglich“ einem ihrer Produkte begegne; vorstellbar, bei insgesamt 172 Standorten, die Alpla in 45 Ländern auf vier Kontinenten betreibt. Rauch, Pfanner? Weltweit in den Sortimenten. Und wenn es bei Borussia Dortmund aktuell eher finster ausschaut, dann liegt das an den Fußballern – nicht aber an der Zumtobel Group, die ihr Know-How unter anderem auch auf der legendären Südtribüne des Dortmunder Signal Iduna Parks zum Einsatz bringt. Apropos Fußball – in den Umkleideräumen des FC Chelsea finden sich Blum-Beschläge. Der Beschlägehersteller liefert in 120 Länder, Produkte des Weltmarktführers finden sich auch in der Air Force One, dem Flugzeug des US Präsidenten.
Die Performance der Industrie und ihr Stellenwert für die Leistungskraft sowie den Wohlstand der heimischen Volkswirtschaft lassen sich am besten anhand zweier zentraler Kennzahlen messen: Produktion und Wertschöpfung. Die Industrie erbringt 40 Prozent der Bruttowertschöpfung (Gesamtwert der im Produktionsprozess erwirtschafteten Waren) in Vorarlberg. Dies ist der mit Abstand größte Anteil aller Wirtschaftszweige. Die Bruttowertschöpfung der Vorarlberger Industrie ist dabei deutlich über dem Österreichschnitt (rund 28 Prozent). 

Globale Märkte sind Stütze
Auch ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit konnte die Industrie Vorarlbergs in den letzten Jahren deutlich verbessern und sowohl ihre Exporte als auch die Auslandsinvestitionen steigern. Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren neue Exportchancen genutzt. Mittlerweile erwirtschaften viele Unternehmen einen großteil ihres Umsatzes über Exporte. Die globalen Märkte werden auch in Zukunft eine wichtige Stütze der Industrieunternehmen bleiben und die Konjunktur entsprechend mitgestalten. Vorarlbergs Wirtschaft hat im Außenhandel heuer erneut zugelegt. Das Exportvolumen stieg um fast zwei Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damit kann sich die Vorarlberger Exportwirtschaft nach dem Rekordjahr mit über 10 Milliarden Euro Exportwert nochmals steigern. Die EU ist Haupthandelspartner. Ein Anteil von zwei Dritteln der Vorarlberger Aus- und Einfuhren entfällt auf die Mitgliedsländer der EU und davon wiederum fast die Hälfte auf Deutschland (Exporte: 1,56 Milliarden Euro; Importe: 1,52 Milliarden Euro). Die nächstwichtigsten Handelspartner sind der westliche Nachbar Schweiz und Italien. In alle drei Länder konnten die Vorarlberger Exporte gesteigert bzw. gehalten werden. Eisen- und Metallwaren machen sowohl bei den Ein- als auch Ausfuhren den größten Warenwert aus. Hier haben die Exporte um fast zehn Prozent auf 1,55 Milliarden Euro zugelegt, die Importe sogar um 17,2 Prozent auf über 950 Millionen Euro. Die weiteren im Außenhandel dominierenden Warengruppen sind Kessel, Maschinen und Apparate, Nahrungs- und Genussmittel, chemische und pharmazeutische Produkte sowie Elektronik.

Innovationsprofi
Neben großen erfolgen in Industrie- und Exportstatistiken zeigt Vorarlberg beste Voraussetzungen für Innovationen. Gemessen an den Patentanmeldungen nimmt Vorarlberg weltweit sogar den beeindruckenden 4. Platz ein (hochgerechnet auf 1 Mio. Einwohner, Daten der OECD). Nach Siemens ist das Vorarlberger Unternehmen Julius Blum Österreichs zweitfleißigster Patentanmelder. Das zeigt die hohe F&E-Qualität und die Effizienz der unternehmerischen Forschung im Land. 



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