Wirtschaftsbund fordert effizientere Arbeitsmarktpolitik

27.06.2019/

Bundesleitung

Arbeit muss sich wieder lohnen: Wirtschaftsparlament für Abschaffung der Zuverdienstgrenze während des Bezugs von Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe

„Der Verlust des Arbeitsplatzes kann jeden treffen. Oberstes Ziel der Arbeitsmarktpolitik ist es, Arbeitssuchende rasch wieder ins Berufsleben zu bringen und so ein finanziell unabhängiges Leben zu ermöglichen. Denn diejenigen die tagtäglich arbeiten, für sich und ihre Mitmenschen sorgen und unser Sozialsystem erhalten, müssen am Ende des Tages auch spürbar mehr davon haben, als jene die nicht arbeiten. Darum wollen wir Arbeitssuchende auf ihrem Weg zurück in die Selbsterhaltung unterstützen und positive Anreize für die Erwerbstätigkeit schaffen“, so WB-Generalsekretär Kurt Egger zum Antrag des Wirtschaftsbundes im Wirtschaftsparlament der Wirtschaftskammer Österreich.

Der österreichische Arbeitsmarkt ist in ein Ungleichgewicht geraten: Einerseits klagen Österreichs Betriebe über einen drastischen Fach- und Arbeitskräftemangel, andererseits waren Ende April 2019 rund 369.000 Personen arbeitslos gemeldet und in Schulungen beim AMS vermerkt. Darüber hinaus ist bei den Arbeitssuchenden ein starkes Ost-West-Gefälle ersichtlich. „Diese Schieflage ist ein klares Anzeichen für strukturelle Probleme am österreichischen Arbeitsmarkt. Für viele Arbeitslose ist es lukrativer sich Unterstützungsleistungen durch einen geringfügigen Nebenverdienst aufzubessern, als wieder aktiv in das Arbeitsleben einzusteigen“, so Egger.

Geringfügiger Zuverdienst hält Arbeitssuchende in der Inaktivitätsfalle

Oft ist es finanziell attraktiver die Kombinationsmöglichkeit aus Arbeitslosengeld bzw. Notstandhilfe und einem geringfügigen Zuverdienst zu nutzen, als z.B. eine Halbtagesstelle anzunehmen. Leider führt diese Möglichkeit auf Dauer zu längerer Arbeitslosigkeit. Betroffen sind vorrangig Frauen, die bei Arbeitslosigkeit einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Untersuchungen zeigen, dass ein geringfügiger Zuverdienst, letztlich zu geringerem Einkommen, häufiger zu erneuter Arbeitslosigkeit und in weiterer Folge zu Altersarmut führt. Nach drei Jahren verdienen Frauen um rund 6 % weniger als jene, die einen regulären Job aufgegriffen haben. Das IHS (Institut für höhere Studien) zeigt wiederum, dass sich in bestimmten Fallkonstellationen eine Vollzeitbeschäftigung erst ab einer relativ hohen Wochenstundenanzahl lohnt.

„Diese Situation müssen wir dringend ändern. Durch diese Kombinationsmöglichkeit geraten Menschen in eine Inaktivitätsfalle“, so Egger. Um hier einen Positivanreiz für Arbeitssuchende zu schaffen und eine raschere Rückkehr in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen, setzt sich der Wirtschaftsbund für die Abschaffung der geringfügigen Zuverdienstgrenze während des Bezugs von Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe ein. Dadurch wird der Abstand zwischen Nettolohn und Leistungsbezug auf ein faires Maß gehoben und Arbeiten wieder attraktiver. Für den Handel und den Tourismus, die häufig geringfügige Arbeitnehmer beschäftigen, müssen Übergangs- und eine bessere Aushilfsregelung sowie Saisonverlängerungen geschaffen werden.

Positive Anreize wie Kombilöhne können helfen

„Unser Ziel ist es, Arbeit attraktiver zu gestalten, denn Erwerbstätigkeit ist der Schlüssel zu finanzieller Unabhängigkeit. Arbeitssuchende und Arbeitgeber sollen besser zueinanderfinden. Dafür braucht es eine Neuausrichtung der Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik. Denn nur wenn unsere Unternehmer auf gut ausgebildete und verfügbare Arbeits- und Fachkräfte zurückgreifen können, können sie gemeinsam mit ihren Mitarbeitern den Wohlstand in unserem Land erhalten und Innovationen fördern“, so Egger. Der Wirtschaftsbund setzt sich für positive Anreize wie Förderung der überregionalen Mobilität, Eingliederungshilfen oder Kombilohnmodellen ein.

Das Wirtschaftsparlament tagt zwei Mal jährlich und ist das oberste Gremium in der Wirtschaftskammer.




zurück zur Übersicht Drucken teilen
Diese Website benutzt Cookies um bestmögliche Funktionalität bieten zu können.Ich bin einverstanden